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MAZ vom 02.09.2003
Das Leben kann richtig gemein sein
Wie "Kugelblitz" eine Wette verlor
Es fing ganz friedlich an: Zwei Freunde sitzen gemütlich auf dem Sofa und verfolgen die Tour den France. Zeitfahren mit Jan Ullrich. Aus heiterem Himmel behauptet Norbert Bliedtner (31) da: "Das kann ich auch!"
Nun muss man wissen, dass Norbert alles andere als sportlich ist und einige Kilo zu viel auf die Waage bringt. "Kugelblitz" nennen ihn seine Freunde liebevoll spottend. Klaro, dass Michael Just (39) als ausgemachter Sportfreak da ganz schnell wach wird. "Topp, die Wette gilt", ruft er sogleich, nachdem man sich darauf geeinigt hat, den Beetzsee zu umrunden und die Strecke von 47 Kilometern in weniger als zwei Stunden zu bewältigen. Da geht es noch um einen Kasten Bier.
Von da ab hat die Geschichte zwei Versionen: Norbert Bliedtner behauptet, es sei ausgemacht gewesen, dass er und Micha alleine führen. Doch der habe seine Klappe nicht halten können und so habe sich die Geschichte von der Wette wie ein Lauffeuer verbreitet. Michael Just hält dagegen: Von Anfang an habe man die Strecke zu mehreren machen wollen - eine richtige "Tour de Beetzsee" eben.
Am Wochenende sind schließlich zwanzig Männer am Start: Kollegen und Freunde aus Brandenburg und deren Kollegen und Freunde aus Berlin, Oranienburg und Hennigsdorf. Einer setzt auf Sieg für "Kugelblitz". Nun sind zwei Kästen Bier im Spiel und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Los geht's an der Krakauer Schleuse. "Kugelblitz" ist mit einem geliehenen Rennrad am Start. Um seine Chancen zu erhöhen, hat er sich einen neuen Sattel gekauft - den falschen, wie er leidvoll erfahren wird. Die Sattelspitze steht nach oben und verursacht Schmerzen, die sich angeblich bis zur Intensität von Geburtswehen gesteigert haben sollen. Dreißig Kilometer erträgt Norbert Bliedtner mannhaft diese Pein und liegt gut in der Zeit. Dann will er den Sattel richten.
Zwei Fahrzeuge begleiten den Tross, um notfalls zu helfen. An einen Maulschlüssel, den der Radler jetzt bräuchte, hat niemand gedacht. Da unter diesen Bedingungen an Weiterfahrt nicht zu denken ist, tauscht ein Freund mitleidvoll sein Fahrrad mit ihm. Doch zu spät. Vor Schmerzen ist "Kugelblitz" jeder Ehrgeiz abhanden gekommen. Gemütliche zwei Stunden und 22 Minuten braucht er bis zum vereinbarten Ziel, das die ersten eine knappe Stunde eher erreicht haben.
2004 wollen alle wieder um den Beetzsee flitzen, auch "Kugelblitz". Michael Just träumt sogar von einer öffentlichen "Tour den Beetzsee" - mit Brandenburgern und Berlinern. [Ann Brünink]
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